2017 – 400er – Sachsen

– Wärme, Wein und weite Sicht –

Schon die Vorbereitung auf die 400 war vielversprechend. Die angekündigte Strecke sollte moderate Höhenmeter und landschaftliche Augenweiden bieten, hieß es schon im Vorfeld auf der 300 von Gerd und Olaf. Es zeigte sich, dass wieder einmal alles relativ ist.

Die versprochenen Landschaftsbilder waren unbestritten schön. Das Wetter trug mit praller Sonne und wolkenlosem Himmel seinen Teil dazu bei, dass die Saale-Unstrut-Region ihre beste Seite zeigen konnte. Die weiten Weinhänge tankten die warme Sonne und in nahezu jedem Dorf zwischen Weissenfels und Apolda hätten wir am Straßenrand unsere Trinkflaschen mit Müller-Thurgau auffüllen können.

Die moderaten Höhenmeter blieben jedoch weiterhin relativ moderat. Gerd konnte nur schmunzeln, auf die Frage hin, ob er die Tour wirklich als solches empfindet. Die Antwort, dass die größten Berge ja schließlich weg gelassen wurden, stimmte mich kurz nachdenklich und anschließend dankbar. Die 4700 Hm, die im Track vorab angekündigt wurden, entpuppten sich am Ende der Fahrt als ganze 4100 Hm. Damit lag der Schnitt immer noch bei über 1000 Hm je 100 km, was ich bisher nur von sächsischen Brevets kenne. Es sollte sich aber zeigen, dass das Training nicht ganz unnütz sein sollte.

Die Tour startete zu meiner Freude Richtung Leipzig und Markkleeberg. Christoph und ich waren guter Dinge. Das Material war abgestimmt und die Räder geputz. Christoph konnte dank bestem Wetter sein vollabgestimmtes Isadore-Sonntags-Outfit anziehen und ich meine Satteltasche weg lassen, da kaum Sachen mit zu führen waren. Kurz vor dem Leipziger Seenland, knapp 30 km nach dem Start, fing uns meine Schwester ab und begleitete Christoph und mich die nächsten 40 km. Auf den breiten Radwegen rund um die Seenlandschaft konnten wir herrlich plaudern und über Räder, Technik und die Welt philosophieren.

Nach dem wir, wie oben schon beschrieben, die Weinberge von Thüringen hinter uns gelassen haben, ging es wieder zurück in Richtung Sachsen und Erzgebirgsvorland. Die Hügelketten rissen also nicht ab, nur der Wein verschwand vom Straßenrand. Die Hitze gipfelte logischerweise in der Nachmittagszeit und verlangte seinen Tribut. Christoph musste kurzfristig abreißen lassen, fand aber seinen Rhythmus und konnte wieder in die Gruppe aufschließen. Überhitzung und Dehydration muss jeder einmal kennen lernen, um danach besser darauf eingestellt zu sein. Oder um es mit den Worten eines anderen Randonneurs zu sagen: „[Dehydration] ist keine Schande.“

Bereits im thüringischen zeichnete sich eine dreier Gruppe mit Christoph und Wolf ab, die auch bis zum Ende der Tour halten sollte. Mit Wolf bin ich bis dahin noch nie in einer Gruppe gefahren, obwohl wir auf der 400 festgestellt haben, dass wir schon einige Brevets zusammen gefahren sind. Vor allem bei den Berliner Brevets sind wir schon häufiger gemeinsam am Start gewesen, haben aber bis dahin nie eine gemeinsame Gruppe gefunden. Umso interessanter war nun der Austausch von Wolfs Erfahrungen, sowohl auf dem Rad als auch als ambitionierter Läufer. Wolfs Betrachtungswinkel auf sportliche Leistungsdaten und die damit verbundenen Kenngrößen war sehr spannend. Durch seine Erfahrungen beim Laufen und nun auch beim Radfahren, hat er ein profundes wissenschaftliches Wissen über Kennzahlen, die beim Radfahren gesammelt werden können. Viel wichtiger ist aber, dass er sie auch rational interpretieren kann. Oft trifft man Leute, die viel Technik am Rad haben, aber nichts damit anfangen können, bzw. glauben etwas damit anfangen zu können. Die Daten, die Wolf schon wärend der Fahrt auslesen konnte, sind nicht neu oder besonders spektakulär, aber das Wissen, wie ich damit umzugehen habe, war den ganzen Nachmittag und Abend ein immer wiederkehrendes Thema. Es hat auch Interesse auf mehr Technik am Rad geweckt.

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